In der Europäischen Union lebten 2024 rund 68 Prozent der Menschen in einer Wohnung oder einem Haus, das ihrem Haushalt gehört. In Rumänien waren es 94 Prozent, in der Slowakei 93, in Ungarn 92.
In einem einzigen Mitgliedstaat wohnt die Mehrheit zur Miete: in Deutschland. Nach Eurostat sind es 53 Prozent.
Was daran hängt
Die Bundesbank hat für 2021 ausgewiesen, wie sich das Vermögen nach Wohnsituation unterscheidet. Haushalte, die in der eigenen Immobilie leben, hatten ein mittleres Nettovermögen von 364.800 Euro, so viel wie nie seit Beginn der Erhebungen. Mieterhaushalte kamen auf 16.200 Euro.
Der Abstand ist mehr als das Zwanzigfache. Er erklärt einen großen Teil dessen, was im Ländervergleich als deutsche Vermögensschwäche erscheint. Wo die Mehrheit Wohneigentum hat, ist der wichtigste Vermögensgegenstand breiter gestreut — und damit auch das Vermögen selbst.
Warum das nicht nur eine Frage des Sparens ist
Eine Wohnung ist die einzige Anlage, die fast jeder Haushalt ohnehin bezahlt, entweder als Miete oder als Kreditrate. Im einen Fall bleibt am Ende nichts, im anderen ein Haus.
Steigen die Immobilienpreise, verschärft sich das. Die Bundesbank schreibt selbst, dass die zwischen 2017 und 2021 gestiegenen Preise einen wichtigen Einfluss auf die Vermögen der Eigentümerhaushalte hatten. Wer vorher gekauft hatte, gewann; wer zur Miete wohnte, hatte an diesem Zuwachs keinen Anteil.
Damit wird Wohnungspolitik zu Vermögenspolitik: Grunderwerbsteuer, Förderprogramme, Bauvorschriften, Mietrecht, die Frage, wie leicht junge Haushalte an Eigenkapital kommen. Keine dieser Entscheidungen wird als Verteilungspolitik diskutiert. Zusammen bestimmen sie, wer ein Vermögen aufbauen kann.
Was hier nicht behauptet wird
Nicht, dass der Unterschied zwischen Mietern und Eigentümern allein am Wohnen liegt. Die Bundesbank weist darauf hin, dass sich beide Gruppen auch in Alter, Haushaltsgröße und Einkommen unterscheiden. Ein Teil des Abstands wäre auch ohne Wohneigentum da.
Nicht, dass eine hohe Eigentumsquote ein Zeichen von Wohlstand ist. Die höchsten Quoten der EU haben Rumänien, die Slowakei und Ungarn — nicht die wohlhabendsten Mitgliedstaaten. Die Quote sagt, wie breit Wohneigentum gestreut ist, nicht wie viel es wert ist.
Nicht, dass Mieten die schlechtere Wahl wäre. Ein funktionierender Mietmarkt erleichtert Umzüge, Berufswechsel und das Leben in Städten, in denen Kaufen unerschwinglich ist. Warum Deutschland so viel mehr zur Miete wohnt als seine Nachbarn, untersucht dieser Beitrag nicht.
Nicht, dass sich die Quote leicht ändern ließe. Sie ist über Jahrzehnte gewachsen, und die Hürden für den Kauf sind mit den Preisen gestiegen.
Warum das hierher gehört
Der erste Teil dieser Reihe zeigte, dass an der Spitze der Verteilung Vermögen fehlt, das keine Befragung erreicht; der zweite, dass Rentenansprüche nicht mitgezählt werden. Dieser Teil nennt den größten Posten in der Mitte: das eigene Dach.
Ob jemand Vermögen hat, entscheidet sich in Deutschland zu einem großen Teil an der Frage, ob er gekauft hat — und das hängt an Entscheidungen, die als Wohnungspolitik getroffen und nie als Vermögenspolitik verhandelt werden.
Vermögen in Europa — eine Reihe in vier Teilen