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Ressourcen3 Min

Was erst in zehn Jahren anfällt

Europa will bis 2030 ein Viertel seines Bedarfs an strategischen Rohstoffen aus Recycling decken. Bei Seltenen Erden liegt die Quote unter einem Prozent — und das liegt nicht am Aufwand, sondern daran, dass die Altmagnete noch in fahrenden Autos stecken. Teil 3 einer vierteiligen Reihe.

Die europäische Verordnung über kritische Rohstoffe setzt ein Ziel: Bis 2030 sollen 25 Prozent des Jahresbedarfs an strategischen Rohstoffen aus Recycling gedeckt werden.

Die gegenwärtige Quote für Seltene Erden liegt in Europa unter einem Prozent des Jahresverbrauchs.

Der Abstand wird meist als Anstrengungsproblem gelesen: zu wenig Anlagen, zu wenig Investitionen, zu wenig Druck. Das ist nicht falsch. Es ist nur nicht der Hauptgrund.

Was noch nicht da ist, kann man nicht einsammeln

Der Satz, der die Sache erledigt, steht in einer Analyse von Thales Dantas und Christian Salles aus dem März 2026: Man könne heute keinen Magneten recyceln, der nicht vor zehn bis fünfzehn Jahren hergestellt und verkauft worden sei.

Magnete in Elektroautos und Windrädern halten so lange, wie das Gerät hält. Wer 2030 Altmagnete einsammeln will, ist auf das angewiesen, was zwischen etwa 2015 und 2020 verkauft wurde. In diesen Jahren waren Elektroautos in Europa eine Randerscheinung.

Der Rohstoff für die Quote von 2030 existiert nicht, weil die Produkte, in denen er stecken müsste, damals nicht gebaut wurden. Keine Fördersumme ändert daran etwas.

Die Autoren rechnen das beste Szenario durch: rund 8,1 Prozent des Weltbedarfs bis 2030. Gegen ein Ziel von 25 Prozent fehlen damit knapp 17 Prozentpunkte — im günstigsten Fall.

Der Unterschied, der in Erfolgsmeldungen untergeht

Es gibt zwei Dinge, die beide „Recycling" heißen, und sie tun nicht dasselbe.

Bei der Magnetherstellung werden 20 bis 30 Prozent des Materials als Schleifstaub abgetragen. Dieser Abfall fällt in der Fabrik an, ist sortenrein und lässt sich gut zurückführen. Genau davon handeln die meisten Meldungen über gelungenes Seltenerd-Recycling.

Nur senkt das den Bedarf an Primärmaterial nicht. Es macht die Fertigung sparsamer. Die Autoren formulieren es so: Solche Rückführungen verbesserten lediglich die Fertigungseffizienz, sie erschlössen nicht den Bestand an Produkten draußen in der Welt.

Das zweite ist die Rückgewinnung aus Altgeräten — verstreut, verklebt, beschichtet, in komplexe Baugruppen eingebaut, und in Mengen von Milligramm bis Kilogramm je Gerät. Das ist der Teil, der zählt, und der schwierige.

Wer beide Zahlen zusammenwirft, kann eine Recyclingquote ausweisen, die mit dem Bestand nichts zu tun hat.

Wann es tatsächlich kommt

Nicht nie, sondern später.

Elektroautos und Windräder haben gegenüber Elektronikschrott einen Vorteil: Sie verschwinden nicht. Fahrzeuge laufen über Verwertungsbetriebe, Windräder werden von ihren Betreibern zurückgebaut. Es gibt also Sammelpunkte.

Für 2035 wird geschätzt, dass allein aus ausgemusterten Elektroautos über 15.000 Tonnen Magnet-Seltenerden jährlich verfügbar werden könnten. Der europäische Bedarf an Permanentmagneten liegt bei rund 20.000 Tonnen im Jahr.

Das ist eine relevante Größenordnung. Sie kommt fünf Jahre nach der Frist.

Was hier nicht behauptet wird

Nicht, dass Recycling sinnlos wäre. Der Bestand wächst, und mit ihm der künftige Rücklauf. Der Einwand richtet sich gegen das Datum, nicht gegen die Sache.

Nicht, dass das Ziel deshalb falsch gesetzt wäre. Ein Ziel kann einen Aufbau auslösen, der sonst unterbliebe, und trotzdem zum Stichtag verfehlt werden. Beides zugleich ist möglich.

Nicht, dass die Quoten einheitlich erhoben wären. Dieselbe Analyse nennt für Altprodukte weltweit „unter einem Prozent" und an anderer Stelle „unter fünf Prozent" — je nachdem, was mitgezählt wird. Die Größenordnung ist belastbar, die genaue Zahl hängt an der Abgrenzung, und genau das ist Teil des Problems.

Nicht, dass die Prognose für 2035 eintreffen muss. Sie setzt Flottengrößen, Lebensdauern und Rücklaufquoten voraus, die sich ändern können.

Warum das hierher gehört

Sechzig, einundneunzig, vierundneunzig zeigte, dass die Debatte den falschen Schritt der Kette betrachtet; Der Hang in Kachin, was an deren Anfang steht. Hier geht es um die Lösung, die in fast jeder Diskussion an dieser Stelle genannt wird.

Sie ist richtig und sie kommt zu spät, und das eine ändert am anderen nichts. Ein Ziel, dessen Verfehlung im Augenblick seiner Festlegung bereits feststand, ist eine eigene Art von Politik — diese Seite hat kürzlich einen anderen Fall davon beschrieben.

Bleibt die Frage, ob sich am anderen Ende etwas machen lässt: nicht am Nachschub, sondern am Bedarf. Davon handelt der letzte Teil.


Seltene Erden — eine Reihe in vier Teilen

  1. Sechzig, einundneunzig, vierundneunzig
  2. Der Hang in Kachin
  3. Was erst in zehn Jahren anfällt
  4. Ob das Gerät die Magnete braucht

Quellen — 03

  1. 01Why the physics of rare earth recycling will defy 2030 policy mandates (März 2026) — Thales Dantas und Christian Salles; Lebensdauerverzögerung von zehn bis fünfzehn Jahren, bestenfalls 8,1 Prozent des Weltbedarfs bis 2030, Schleifstaub gegenüber AltproduktenPreScouter · prescouter.com
  2. 02What the Critical Raw Materials Act actually requires from battery and permanent magnet supply chains — das 25-Prozent-Ziel für 2030 und der heutige Stand unter einem ProzentCircularise · circularise.com
  3. 03Europe Rare Earth Recycling: CRMA Targets & Key Players — Mengengerüst für 2035 und europäischer MagnetbedarfRare Earth Mining · rare-earth-mining.com