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Ressourcen3 Min

Sechzig, einundneunzig, vierundneunzig

Chinas Anteil an Seltenen Erden beträgt 60 Prozent beim Abbau, 91 bei der Trennung und 94 bei der Magnetfertigung. Die Debatte handelt vom ersten Schritt — dem mit der geringsten Konzentration. Teil 1 einer vierteiligen Reihe.

Chinas Anteil an der weltweiten Förderung von Magnet-Seltenerden lag 2024 bei 60 Prozent. Sein Anteil an ihrer Trennung und Raffination bei 91 Prozent. Sein Anteil an der Fertigung gesinterter Magnete bei 94 Prozent.

Drei Schritte einer Kette, drei Zahlen. Die öffentliche Debatte handelt fast ausschließlich vom ersten — und das ist der, bei dem die Konzentration am geringsten ist.

Der Engpass sitzt am Ende

Die Internationale Energieagentur formuliert es in ihrem Bericht von 2026 unmissverständlich: Die Magnetfertigung bleibe der wesentliche Engpass für eine Diversifizierung der Versorgung.

2005 lag Chinas Anteil an der Magnetproduktion bei etwa 50 Prozent. Heute sind es 94. Der Abstand ist also genau dort gewachsen, wo die Wertschöpfung am weitesten von der Mine entfernt liegt.

Eine Mine liefert Konzentrat. Daraus müssen die Elemente getrennt, zu Metall reduziert, legiert, gemahlen, im Magnetfeld gepresst, gesintert und beschichtet werden. Wer nur den ersten Schritt zurückholt, hat den Rohstoff — und muss ihn zur Weiterverarbeitung dorthin schicken, wovon er unabhängig werden wollte.

Warum eine neue Mine wenig hilft

Dazu kommt ein Problem, das in der Branche „Korbproblem" heißt und außerhalb kaum vorkommt.

Seltene Erden liegen im Gestein in festen Verhältnissen nebeneinander. Man kann sie gemeinsam abbauen, aber nicht einzeln herausgreifen. Die Geologie legt die Mischung fest, nicht der Bedarf.

Nach einer Auswertung von CRU bestehen 60 bis 75 Prozent des Endproduktvolumens eines durchschnittlichen Vorkommens aus Cer und Lanthan. Auf die Magnetelemente Neodym und Praseodym entfallen typischerweise 15 bis 30 Prozent, auf die schweren Elemente nur kleine Anteile.

Die Nachfrage entwickelt sich aber auseinander. Zwischen 2012 und 2020 wuchs sie für Neodym und Praseodym um 5,6 Prozent im Jahr, für Cer und Lanthan um 1,1.

Wer eine Mine für Neodym aufmacht, fördert also überwiegend etwas anderes — und muss dafür Käufer finden, damit die Rechnung aufgeht. Westliche Projekte scheitern seltener an der Geologie als an diesem Umstand.

Was das Wort verdeckt

Selten sind sie nicht. Cer kommt in der Erdkruste mit 60 Teilen je Million vor, genau wie Kupfer. Selbst Thulium und Lutetium, die beiden seltensten der Gruppe, sind rund 200-mal häufiger als Gold. Der United States Geological Survey nennt die Bezeichnung selbst eine historische Fehlbenennung, deren Fortbestand eher Unvertrautheit spiegele als tatsächliche Seltenheit.

An dieser Stelle endet die Aufklärung meistens, und sie endet zu früh. Denn derselbe Text nennt den Grund, warum es trotzdem schwierig ist: Anders als gewöhnliche Industriemetalle neigen Seltene Erden kaum dazu, sich zu abbauwürdigen Lagerstätten zu konzentrieren.

Beide Hälften sind wahr. Wer nur die erste zitiert, macht das Problem kleiner, als es ist; wer nur die zweite hört, sucht es an der falschen Stelle.

Was hier nicht behauptet wird

Nicht, dass Minen gleichgültig wären. Ohne Förderung nützt die beste Trennanlage nichts. Der Punkt ist die Reihenfolge der Aufmerksamkeit, nicht die Entbehrlichkeit des ersten Schritts.

Nicht, dass Chinas Stellung allein auf Industriepolitik beruht. Warum sich Trennung und Magnetfertigung dort konzentriert haben, habe ich für diesen Beitrag nicht untersucht. Die Anteile sind belegt, ihre Ursachen nicht.

Nicht, dass die 60 Prozent stabil wären. Der Abbau ist der Schritt, der sich am ehesten verlagern lässt, und er verlagert sich bereits.

Nicht, dass „Korbproblem" eine feste Größe wäre. Die genannten Anteile gelten für ein durchschnittliches Vorkommen. Einzelne Lagerstätten weichen erheblich ab, und die zitierte Auswertung stammt von 2020.

Warum das hierher gehört

Diese Seite hat mehrfach Fälle beschrieben, in denen eine Debatte an der falschen Stelle sucht, weil eine Zahl fehlt oder eine Bezeichnung in die Irre führt. Hier ist beides zugleich der Fall: Der Name behauptet Seltenheit, und die meistgenannte Zahl beschreibt den am wenigsten konzentrierten Schritt.

Drei Fragen bleiben damit offen, und sie werden in den folgenden Teilen einzeln behandelt: Woher die schweren Elemente tatsächlich kommen. Warum Recycling die Lücke nicht rechtzeitig schließen kann. Und ob die Nachfrage überhaupt eine feste Größe ist.


Seltene Erden — eine Reihe in vier Teilen

  1. Sechzig, einundneunzig, vierundneunzig
  2. Der Hang in Kachin
  3. Was erst in zehn Jahren anfällt
  4. Ob das Gerät die Magnete braucht

Quellen — 04

  1. 01Rare Earth Elements — Executive summary (2026): China hält 60 Prozent der Förderung von Magnet-Seltenerden, 91 Prozent der Raffination und 94 Prozent der gesinterten Magnete; die Magnetfertigung ist der wesentliche EngpassInternationale Energieagentur · iea.org
  2. 02The rare earths ‘basket problem’ is intensifying (26. November 2020) — Daan de Jonge; Zusammensetzung eines durchschnittlichen Vorkommens und auseinanderlaufende NachfrageCRU Group · crugroup.com
  3. 03Rare Earth Elements — Critical Resources for High Technology (Fact Sheet 087-02): Häufigkeit in der Erdkruste, „historical misnomer“, und die geringe Neigung zur LagerstättenbildungUnited States Geological Survey · pubs.usgs.gov
  4. 04Rare Earths Statistics and InformationUnited States Geological Survey · usgs.gov