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Macht2 Min

„Gefährlicher als der Klimawandel“

Der US-Innenminister stellt das KI-Rennen über die Klimakrise — offen, nicht verdruckst. Das ist etwas anderes als Leugnung, und es lässt sich nicht mit Belegen widerlegen.

Das Manifest dieser Seite behauptet seit 2021, dass Ideologien und Verdrängungsmechanismen das nötige sofortige Umsteuern verhindern. Eine Recherche von Anselm Schindler im Freitag zwingt mich, diesen Satz zu korrigieren. Nicht weil er falsch war — weil er zu freundlich war.

Was sich verschoben hat

Schindler beschreibt, wie das KI-Rennen zwischen den USA und China zu einem Rennen um Energie geworden ist. Der US-Innenminister leitet demnach zugleich einen per Dekret geschaffenen Rat für Energiedominanz, dessen Aufgabe es ist, genug Strom für Rechenzentren heranzuschaffen. Eine Niederlage in diesem Rennen, so wird er zitiert, sei „gefährlicher als der Klimawandel".

Dieser Satz leugnet nichts. Er bestreitet die Erwärmung nicht, er bezweifelt keine Messreihe, er beruft sich auf keinen gekauften Gutachter. Er stellt die Klimakrise in eine Rangfolge und setzt etwas darüber.

Das ist keine Verdrängung. Verdrängung wäre, das Problem nicht sehen zu wollen. Hier wird es gesehen, benannt und nachgeordnet.

Warum das schwerer wiegt

Gegen Leugnung hilft ein Beleg. Wer behauptet, die Erwärmung finde nicht statt, lässt sich mit Daten stellen. Mühsam, aber möglich — es ist die Arbeit, die diese Seite sich vorgenommen hat.

Gegen eine Rangfolge hilft kein Beleg. Sie bestreitet die Daten ja nicht. Sie sagt: Ich weiß es, und trotzdem zuerst das andere. Wer so argumentiert, ist gegen Fakten immun, weil er sie bereits eingeräumt hat.

Mein Manifest hat 2021 auf den falschen Gegner gezielt. Nicht das Wegsehen ist das Hindernis, sondern eine offen ausgesprochene Prioritätensetzung. Das eine kann man widerlegen. Das andere muss man politisch schlagen.

Zwei Stränge, die zusammengewachsen sind

Im Manifest standen zwei Absätze nebeneinander: einer über Robotik und künstliche Intelligenz, die den Menschen aus der Arbeit verdrängen, einer über das bereits geschädigte Klima. Zwei Faktoren, parallel aufgezählt.

Sie sind keine zwei mehr. Rechenzentren brauchen Strom, und der kommt in den USA laut der Recherche zu einem großen Teil aus Gas. Der Rat für Energiedominanz existiert, um für KI-Infrastruktur fossile Kapazität bereitzustellen. China baut mehr Solar- und Windkraft als jedes andere Land der Erde — und gleichzeitig wieder neue Kohlekraftwerke. Indien verfolgt denselben Weg.

Künstliche Intelligenz ist damit kein weiterer Punkt auf der Liste. Sie ist das Argument geworden, mit dem die fossile Verlängerung begründet wird. Wer heute gegen ein Kohlekraftwerk argumentiert, argumentiert gegen die nationale Wettbewerbsfähigkeit.

Was das für den Schlusssatz bedeutet

Mein Manifest endet mit dem Satz, es liege in unserer Hand, ob wir diese Disruption gestalten. Er unterstellt, dass die Entscheidung noch offen ist.

Wenn ein Energieminister die Rangfolge öffentlich ausspricht und sich Staatenblöcke danach organisieren, ist sie an dieser Stelle getroffen. Nicht von uns.

Das macht den Satz nicht falsch. Es verschiebt, worauf er sich bezieht: nicht mehr darauf, ob entschieden wird, sondern darauf, ob die Entscheidung Bestand hat. Das ist eine unbequemere Frage, aber es ist die richtige.

Quellen — 01

  1. 01KI-Wettrüsten USA gegen China: Eine einzige Ressource entscheidet, wer gewinntder Freitag, Anselm Schindler · freitag.de