Über den Preis des Optimus kursieren vier Zahlen. Tesla nennt seit Jahren 20.000 Dollar. Morgan Stanley beziffert die Stückliste auf 46.000 Dollar, ohne chinesische Zulieferer auf 131.000. Und der chinesische Hersteller Unitree führt seinen G1 ab 13.500 Dollar — deutlich unter Teslas Marke.
Nebeneinandergestellt ergeben die vier Zahlen eine Geschichte über Wettbewerb: Tesla will dorthin, China ist schon da, und ohne China kommt Tesla nicht hin. Die Geschichte funktioniert, solange niemand fragt, was die einzelnen Zahlen messen. Sie messen nichts Gemeinsames.
Die Entscheidung ist bereits gefallen
Ende Januar 2026 kündigte Elon Musk auf der Bilanzkonferenz das Ende von Model S und Model X an — "It's time to basically bring the Model S and X programs to an end with an honorable discharge". Das Ziel für die frei werdende Fläche in Fremont benannte er im selben Zug: "having 1 million units a year line of Optimus in the SX space in Fremont".
Die Linien sind abgebaut. Was folgt, ist keine Ankündigung mehr, sondern eine geräumte Halle.
20.000 Dollar war ein Verkaufspreis
Die Zahl stammt aus dem Oktober 2022. Musk zeigte den Prototyp und nannte 20.000 Dollar — als Preis für Käufer. Fox Business schrieb damals, er hoffe, Millionen der Maschinen zu bauen und sie an Verbraucher zu verkaufen.
Zweieinhalb Jahre später führt die South China Morning Post dieselben 20.000 Dollar als Produktionsziel. Interesting Engineering schreibt im Februar 2026, Tesla wolle die Kosten des Optimus auf rund 20.000 Dollar senken — Kosten, nicht Preis.
Dieselbe Zahl, drei Bedeutungen: Ladenpreis, Herstellungsziel, Kostenobergrenze. Sie hat sich auf ihrem Weg durch die Berichterstattung nicht verändert, nur das, was sie bezeichnet.
46.000 Dollar ist eine Stückliste
Morgan Stanley beziffert die Stückliste des Optimus Gen 2 auf rund 46.000 Dollar bei chinesischer Lieferkette. Ohne sie: 131.000 Dollar. Den Sprung führt die Analyse überwiegend auf mechanische Bauteile zurück — Aktuatoren, Motoren, Getriebe —, bei denen China 63 Prozent des Weltmarkts hält.
Wie beiläufig die Einheiten dabei verrutschen, zeigt die Wiedergabe selbst: Tech Digest stellt die 131.000 Dollar der Stückliste unmittelbar gegen Musks "stated target price of $20,000–$30,000". Eine Stückliste gegen einen Zielpreis, in einem Satz.
Das eigentliche Verhältnis ist ein anderes als das berichtete. Eine Stückliste von 46.000 Dollar steht gegen einen Verkaufspreis von 20.000 Dollar. Das sind nicht zwei Punkte auf einem Weg von teuer nach billig. Der Roboter müsste für weniger als die Hälfte dessen verkauft werden, was seine Teile kosten — und zwar in der günstigen Variante, der mit China.
Eine Einschränkung gehört dazu: Die Analyse selbst ist nicht öffentlich. Sie liegt nur in der Wiedergabe zweier Fachdienste vor, beide vom 3. Februar 2026, und keiner von beiden nennt das Datum des Papiers. Die Zahlen sind belegt, aber nicht nachgerechnet.
13.500 Dollar kaufen keinen Arbeiter
Bleibt die Zahl, die den Wettbewerbsdruck belegen soll. Unitree ruft für den G1 tatsächlich 13.500 Dollar auf. Auf der Produktseite des Herstellers steht darunter ein Satz:
This product does not support secondary development. For customization needs, please select the EDU edition.
Die Maschine für 13.500 Dollar lässt sich nicht programmieren. Sie kann, was ihr ab Werk beigebracht wurde, und sonst nichts.
Die Ausführung, die Arbeit verrichten könnte, heißt EDU. Ein Händler listet die Reihe auf: EDU Standard zu 42.435 Dollar, und die erste Konfiguration mit geschickten Händen — EDU Ultimate A mit den dreifingrigen Dex3-1-Händen — zu 64.292 Dollar. Derselbe Händler führt das Grundmodell übrigens zu 21.500 statt 13.500 Dollar. Auch der billigste Roboter hat zwei Preise.
Damit kehrt sich der Vergleich um. Ein arbeitsfähiger Unitree kostet mehr als die Stückliste, die Morgan Stanley für den Optimus ansetzt. Die Zahl, die Teslas Rückstand belegen sollte, gehört einer anderen Produktkategorie.
Warum das hierher gehört
Dieser Strang fragt, wer die Produktivitätsgewinne der Automatisierung bekommt und wer die Kosten trägt. Beides lässt sich nicht beantworten, solange unklar ist, was eine Maschine kostet. Und der Befund ist nicht, dass die Zahlen strittig wären. Sie sind unbestritten. Sie messen nur Verschiedenes und werden trotzdem gegeneinander verrechnet.
Ein Ladenpreis von 2022, ein Produktionsziel von 2025, eine Stückliste von 2026 und der Katalogpreis eines nicht programmierbaren Geräts ergeben nebeneinandergestellt eine Aussage über Wettbewerb. Sie ergeben sie nur, weil niemand die Einheiten prüft.
In Fremont ist die Fläche derweil geräumt. Die Entscheidung ist physisch, die Rechnung ist es nicht.
Das ist keine Prognose über Roboter. Es ist die Frage, welche Zahl eigentlich gemeint war.